Title:

Die Rache des Mormonen

Description:  Story by Karl May
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
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Die Rache des Mormonen


Der Rio San Carlos in Arizona hat zwei Quellarme, von denen der eine auf der Sierra Blanca, der andere im Magollongebirge entspringt. Steigt man an dem letztern aufwärts, so gelangt man nach und nach aus tiefen Cannons, auf deren Scheitelhöhen kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm zu sehen ist, auf die Montanna de la Fuente und zuletzt an die Stelle, wo das Wasser aus dem Felsen sickert. Dort ragen drei einzeln stehende Macollafichten in die Höhe. Hinter denselben fällt die Höhe, deren Kante früher mit Bäumen derselben Art bewachsen war, fast lotrecht in einen schmalen, aber um so tiefern Cannon hinab, welcher früher einen andern Namen hatte, jetzt aber der Cannon de los Cotchisos heißt.

Schreitet man auf den Steinen, welche aus dem Wasser ragen, bis an den Rand des Cannons vor, so bietet sich jenseits desselben dem Auge ein Anblick, welcher vermuten läßt, daß dort die Stätte einer gräßlichen Katastrophe zu suchen sei. Man blickt auf ein viereckiges Plateau, welches vorn durch den erwähnten Cannon und rechts und links durch ähnliche, senkrecht eingeschnittene Seitenschluchten vollständig abgeschnitten ist. Hinten, auf der vierten Seite, ragt eine riesige, absolut unersteigbare Felsenmauer, von welcher mehrere schmale, klare Wasserfäden rinnen, wie bis zum Himmel empor. Sie wird jetzt in der Sprache der Apachen Selkhi-tse und von den spanisch sprechenden Einwohnern von Arizona Penna del Asesinato genannt. Beides hat dieselbe Bedeutung, nämlich Mordfelsen.

Dieses kleine, viereckige Hochplateau ist also so vollkommen von der übrigen Welt abgeschnitten, daß man meinen sollte, es hätte nie ein lebendes Wesen dorthin gelangen oder gar da wohnen können, und doch erblickt man Spuren, welche beweisen, daß vor noch nicht langer Zeit Menschen, und zwar nicht wenige, dort ihren Aufenthalt gehabt haben. Man sieht, daß, genährt durch die erwähnten Wasserfäden, da drüben ein Wald gestanden hat, welcher abgebrannt ist. Die verkohlten Baumstümpfe beweisen es. Zwischen ihnen liegen die geschwärzten Trümmer leichter Adobeshütten und die Ueberreste halb verbrannter Tier- und Menschenknochen.

Was ist hier geschehen? Durch welches Ereignis ist dieser einst so belebte Ort in eine Stätte des Todes verwandelt worden?

Vor noch nicht gar langer Zeit standen zwei Männer in der Nähe der erwähnten drei Macollafichten und blickten über den Cannon hinüber nach dem Walde, unter dessen sonnendürren Wipfeln sich das rege Leben eines indianischen Ko-uah-clar (Hüttendorfes) entfaltete.

Sie waren noch jung, aber ihre Gesichter hatten einen strengen, frömmelnden Ausdruck, zu welchem auch die enganliegenden und sehr langschoßigen schwarzen Röcke paßten, welche sie trugen.

”Also,“ sagte der eine von ihnen, ”Du glaubst wirklich, Bruder Jeremias, daß Brigham Young mir diese Indianerin als Frau ansiegeln würde?“

”Ganz gewiß!“ nickte der andere. ”Wir sind ausgesandt, diese roten Heiden zu bekehren, da sie das gleiche Recht wie wir haben, Heilige der letzten Tage zu sein. Diese Gleichheit des Rechtes sichert Dir die Einwilligung des Präsidenten.“

”Intah-tikila (Schwarzauge) ist eine große Schönheit und brauchte sich vor den achtundfünfzig Frauen unserer zwölf Apostel nicht zu verstecken. Aber ihr Vater, der Häuptling, will sie nur einem tapfern Apachenkrieger geben.“

”Hast Du schon mit ihm gesprochen? So! Zwinge ihn, so wird er Dich bitten, sie zu nehmen.“

”Zwingen? Auf welche Weise?“ ”Küsse sie! Eine Indianerin muß die Frau dessen werden, der sie öffentlich küßt. Nur dadurch kann ihre verletzte Ehre wieder hergestellt werden.“

”Das weiß ich auch; aber . . . “

”Kein Aber!“ rief Bruder Jeremias aus. ”Sollen wir als ungehörte Prediger zurückkehren? Das wäre eine Schande, und kein Apostel würde uns hinfort ansehen. Du liebst die Indianerin. Mache sie zu Deinem Weibe, so wird sie Mormonin werden und der Bekehrung der Ihrigen Deine beste Stütze sein . . . oder fürchtest Du Dich?“

”Fürchten?“ lachte der andere verächtlich. ”Bevor ich Heiliger wurde, trug ich Gewehr und Bowiemesser und habe manchen Roten und auch Weißen in das Gras gestreckt. Young hat mir nicht ohne Veranlassung den Namen Gideon gegeben, den Namen des größten Helden Israels. - Komm zum Dorfe! Ich werde Dir zeigen, daß ich keine Furcht kenne.“

Sie gingen bis zum Rande des Cannons, über welchen damals eine Brücke führte.

Diese bestand aus geflochtenen Seilen von ungegerbter, geräucherter Büffelhaut, deren Enden hüben und drüben im Felsen verkeilt waren und auf welche man holzige Kaktusstämme festigt hatte.

Diese schwanke Brücke bildete die einzige Möglichkeit, nach dem Plateau zu gelangen, welches der Häuptling der Kotschisoapachen mit dem größten Teile seines Stammes bewohnte, weil er nur einen einzigen Wächter an die Brücke zu stellen brauchte, um sicher vor jedem feindlichen Ueberfalle zu sein.

Jetzt stand ein junger Krieger da, welcher die beiden Mormonen wortlos an sich vorüber ließ und dann dem Bruder Gideon finstern Blickes nachschaute. Es lag dabei der Ausdruck grimmigen Hasses auf seinem bronzenen Gesichte.

Das Dorf faßte einige hundert Krieger mit ihren Familien, Pferden und Hunden. Die Squaws (Frauen) knieten oder saßen arbeitend unter den Zedern. Sie webten Decken, kneteten Thon zu Gefäßen oder stampften Mais und Gerste zu Mehl. Die Mädchen und Knaben spielten oder übten sich im Gebrauche der Waffen. Die Männer aber lagen vor den Hütten und sahen unthätig dem Treiben der Ihrigen zu. Den Krieger würde das Arbeiten schänden.

Die beste Adobeshütte lag in der Mitte des Dorfes.

Neben der Thüre derselben saß Pesch-itschi (Eisenherz), der Häuptling, und unterhielt sich mit einer für einen Roten ungewöhnlichen Freundlichkeit mit seiner Tochter.

Die schlanke und doch volle Gestalt derselben war ganz in eine leichte, farbenreiche Navajodecke gehüllt; ihr Haar hing in langen, schweren Zöpfen weit über den Rücken herab; ihr Gesicht hatte einen fast ägyptischen Schnitt; das Schönste aber an ihr waren die Augen, diese großen, langbewimperten, schwarzen, sammetartigen Augen mit dem schwermütig ernsten, träumerischen Indianerblicke.

Wegen dieser unergründlichen Augen hatte das Mädchen den Namen Intah-tikila (Schwarz- oder Dunkelauge) erhalten.

Da kamen die beiden Mormonen gegangen, und die Häuptlingstochter flüchtete vor Gideon in das Innere der Hütte. Sie wußte, welche Absicht er hegte, aber sie haßte ihn. Sie hörte die beiden Missionssendlinge sprechen von Joe Smith und dem Buche Mormon, von dem neuen Jerusalem und Brigham Young, von den Freuden der Seligkeit, welche die Latter-Day-Saints nach dem Tod erwarteten.

Der Häuptling hörte ihnen schweigend zu wie einer, der den Worten keinen Glauben schenkt, dies aber aus Höflichkeit nicht sagen will.

Schwarzauge trat mißmuthig an die fensterähnliche Oeffnung der hintern Hüttenwand und blickte da hinaus. Sie sah den Brückenwächter kommen; er war soeben abgelöst worden und mußten an dem Fenster vorübergehen. Ihr Gesicht erheiterte sich; ihre Augen bekamen einen innigen Glanz und sie schob das schöne Köpfchen zur Lucke hinaus.

Er sah sie und flüsterte ihr im Vorübergehen zu: ”Ti-tschi kenoana!“ (Heut abend!)

”Ha-au, schi kahr!“ (Ja, mein Geliebter!) antwortete das Mädchen.

Die Apachentöchter haben ein Herz wie andere Mädchen. Sie lieben auch und treffen sich mit ihren Auserwählten an Orten, wo kein Lauscher zu fürchten ist.

Intah-tikila hatte ihr kleines und doch so stolzes Herz verschenkt; es trieb sie, dem Geliebten nachzublicken, und da sie das vom Fenster aus nicht konnte, trat sie schnell hinaus vor die Hütte.

”Ah, Schwarzauge, warum fliehst Du mich?“ rief Bruder Gideon ihr zu. ”Du sollst meine Squaw werden und die glücklichste aller Angesiegelten sein!“

Dies sagend, schlang er die Arme um sie und drückte seine schmalen, farblosen Lippen auf ihren schwellenden Mund.

Da aber fuhr der Häuptling schnell wie der Blitz empor, riß ihn von der Tochter weg und rief: ”Räudiger Hund, wie darfst Du es wagen, die reine Tochter der Apachen zu beschmutzen?! Fahre zu Boden und bettle um Gnade!“

Dabei schlug er ihm die Faust in das Gesicht, daß der Uebelthäter niederstürzte.

Bruder Gideon raffte sich jedoch augenblicklich auf; die Wut ließ ihn nicht überlegen, was er that; er drang auf den Häuptling ein und gab ihm den Hieb zurück.

Die Wirkung dieses Schlages war eine unerwartete, Pesch-itschi stand unbeweglich; sein Auge maß den Verwegenen mit einem vernichtenden Blicke; dann stieß er einen schrillen Ruf aus, welcher durch das ganze Dort erklang.

Im Nu eilten von allen Seiten die Krieger herbei. Ein Wort des Häuptlings genügte; die Mormonen wurden niedergerissen, gebunden, geknebelt und dann in das Innere der Hütte geworfen. Die Knebel verhinderten sie, mit einander zu sprechen.

Zwei lange, lange Stunden vergingen; dann wurden die beiden hinaus und in den Kreis der Krieger geschafft, welche ernst und still um Eisenherz saßen.

Der Häuptling wendete sich verächtlich von Bruder Gideon ab und sagte zu Jeremias: ”Ein Schlag ist eine todeswürdige Beleidigung und kann nur mit dem Blute des Thäters abgewaschen werden. Die Krieger der Apachen haben Rat gehalten und beschlossen, daß der Mormone sterben soll. Auch Dich wollten sie töten, aber ich habe für Dich gesprochen, Du sollst Zeuge der Strafe sein und dann zu Deinen Heiligen zurückkehren dürfen.“

Die Weißen konnten sich weder mit Worten noch durch Thaten wehren. Gideon wurde an einen Baum gebunden und, ohne erst gemartert zu werden, erschossen.

Der Häuptling trat zur Leiche, netzte seine Hand mit dem hervorquellenden Blut und strich sich dasselbe ins Gesicht. Damit war seine verletzte Ehre wieder hergestellt.

Jeremias erhielt die Taschen mit Lebensmitteln gefüllt, dann trug man ihn fort über die Brücke, nahm ihm den Knebel und die Fesseln ab und ließ ihn laufen.

Er entfernte sich, ohne ein Wort zu sagen oder auch nur zurückzublicken, watete durch das Wasser der Quelle und folgte dem Laufe desselben bis in den zweiten Cannon hinab.

Erst da blieb er stehen, ballte die Fäuste und rief knirschend: ”Rache, ja Rache! Das Blut dieses Heiligen komme über euch! Ihr habt ihm den Leib genommen, ich werde seiner Seele alle die eurigen nachsenden, daß sie ihr dienen und vor ihr kriechen sollen in alle Ewigkeit!“

Er befühlte seine Taschen und bemerkte zu seiner Genugthuung, daß man ihm das Messer, welches unter dem Rocke steckte, nicht genommen hatte. Dann versteckte er sich, um von etwaigen Nachforschern nicht bemerkt zu werden, in eine schmale Felsenritze.

Diese verließ er erst, als es dunkel zu werden begann, und kehrte nach dem Quellwasser der Montanna de la Fuente zurück. Er schlich an den drei Macollafichten vorüber, bis er den Posten an der Brücke stehen sah, und kroch hinter einen Stein, der ihn vollständig verbarg.

Hier wollte er warten, bis die Apachen schliefen, dann wollte er den Posten beschleichen und niederstechen, da es ihm nur hiedurch möglich wurde, auf das Plateau zu gelangen.

Drüben brannten die Feuer vor den Hütten und beleuchteten das Terrain bis an den Cannon und die Brücke. Dabei konnte der Mormone bemerken, daß jetzt der Posten wieder abgelöst wurde. Die Stelle wurden von dem jungen Krieger besetzt, welcher Schwarzauge für heut abend zu sich bestellt hatte.

Die Zeit verging; ein Feuer verlöschte nach dem andern und das Geräusch des Lebens verstummte mehr und mehr. Endlich erstarb auch der letzte Flammenschein und tiefes Dunkel lag nun rund umher.

Die Zeit war da. Jeremias kroch hinter dem Steine hervor und nach dem Cannon. Geräuschlos wie eine Schlange glitt er am Rande desselben hin und nach der Brücke. Sie war höchstens zwanzig Schritte lang.

Eben hatte er sie erreicht, als er ein Flüstern vernahm, welches von drüben herüber immer näher kam. Es befanden sich also Leute auf der Brücke, über dem gähnenden Abgrund in stockdunkler Nacht. Er wich zur Seite und wartete.

Intah-tikila hatte sich bei dem Geliebten eingestellt.

Da sie drüben doch immerhin von jemand überrascht werden konnte und dies den guten Ruf der Häuptlingstochter vernichtet hätte, so pflegten sie, wenn der Geliebte auf Posten stand, über die Brücke zu gehen und dann durch den Quelleneinschnitt bis jenseits desselben, wo es hinter den Felsen ein lauschiges Plätzchen gab, von welchem aus man zwar nicht nach dem Dorfe blicken, dafür aber ganz ohne Sorge vor Ueberraschung plaudern konnte.

Das war allerdings eine kleine Pflichtverletzung, aber keine gefährliche. Wozu die Brücke bewachen? Die Kotschisoapachen lebten gerade jetzt mit jedermann in Frieden, und hätte es je einen Feind gegeben, welcher sich heranschleichen wollte, so hätte er an dem Liebespaare vorüber gemußt und wäre ganz gewiß von demselben entdeckt worden.

So kamen die beiden auch heut über die Brücke und wendeten sich, mit einander plaudernd, nach der Schlucht der Quelle.

Der Mormone kehrte um und schlich ihnen nach, um zu wissen, wo sie bleiben würden. Als sie sich niedergesetzt hatten, huschte er wieder zurück, von dieser Beobachtung sehr befriedigt, denn er brauchte den Posten nicht zu töten, welcher übrigens die That erst dann bemerken konnte, wenn es unmöglich war, sie ungeschehen zu machen.

Bruder Jeremias kroch auf allen Vieren über die Brücke und blieb dann stehen, um den Plan noch einmal durchzudenken. Er wollte die Apachen in den Flammen umkommen lassen. Nahrung für das Feuer gab es genug. Die Wipfel der Bäume waren halb verdorrt, dürre Ranken und Schlinggewächse waren auch da und überall stand das hohe, breite Espadagras in saftlosen Büscheln. Wenn das Feuer sich schnell verbreitete, so waren die Indianer verloren.

Er zog das Feuerzeug aus der Tasche und kniete nieder. Ein Funken glühte auf, ein kleines Flämmchen zuckte ins Gras und fraß sich weiter. Schnell kroch der Mormone über die Brücke zurück und zog das Messer, um die Seile derselben zu durchschneiden. Sie waren außerordentlich hart und er mußte alle seine Kraft anwenden; es gelang ihm aber doch.

Als der letzte Strang entzwei war, rutschte das Hängewerk ab und flog prasselnd gegen die jenseitige Cannonwand. Der einzige Rettungsweg war den Apachen abgeschnitten.

Nun konnte Bruder Jeremias seine Aufmerksamkeit wieder dem Feuer zuwenden.

Wie hatte der eine kleine Funken sich so schnell vergrößert! Bereits säumten hohe Flammen die ganze Cannonseite ein; rechts und links fraßen sie sich an den Schluchten hin und schon leckten auch feurige Zungen an den vordersten Bäumen empor.

Und die Apachen schliefen alle, alle, indem sie sich auf den Wächter an der Brücke verließen! Aber es gab noch andere Wächter, die Pferde und Hunde. Die ersteren begannen zu schnauben und zu wiehern, die letzeren bellten und heulten; die Roten mußten erwachen.

Jeremias duckte sich eng an das Gestein, um mit teuflischer Freude das Fortschreiten seines Werkes zu beobachten.

Die beiden Liebenden konnten, wie bereits gesagt, das Plateau nicht sehen, aber sie hörten das Wiehern und Bellen. Sie sprangen auf und eilten nach der Quelle. Durch die offene Schlucht derselben blickten sie in das Flammenmeer, welches bereits den Himmel zu röten begann.

Vor Entsetzen aufschreiend, rannten sie vorwärts, nach der Brücke hin, er voran und sie hinterdrein. Den Blick nur hinüber auf die Flammen geheftet, kam er bei der Stelle an, wo sei befestigt gewesen war; schon im Sprunge, bemerkte er zu spät, daß sie nicht mehr vorhanden war . . . ein entsetzlicher, markdurchschneidender Schrei, und er flog in die grausige Tiefe hinab.

Schwarzauge kam nahe hinter ihm gesprungen, aber sein Schrei und sein Fall warnten sie; sie vermochte noch, die Schritte anzuhalten, sie blieb stehen und blickte, als ob sie es nicht glauben könne, starr in den schwarz gähnenden Abgrund hinab.

Da richtete hart neben ihr der Mormone seine dunkle Gestalt auf und fragte: ”Ist er hinab, Dein Bräutigam? Auch Du mußt hinunter! Dein ganzer Stamm verbrennt und Dich werde ich dem Tod ansiegeln!“

Da zeigte sich das Indianerblut, welches selbst im höchsten Schreck nur einen einzigen Augenblick zu stocken vermag. Noch hatte Jeremias nicht ganz ausgesprochen, so trat Intah-tikila einen Schritt zurück und rief: ”Du bist's, Ungeheuer? Fahre Du selbst hinab!“ Sie sprang, ehe er sich dessen versehen konnte, auf ihn ein . . . ein kräftiger Stoß von ihr, ein unbeschreibliches Gebrüll aus seinem Mund . . . und er stürzte seinem zerschmetterten Opfer nach. Schwarzauge sank zusammen. Händeringend starrte sie hinüber.

Die Flammen bildeten jetzt eine einzige wogende Masse. Dunkle Punkte rannten in derselben hin und her; es waren die Tiere und die Menschen. Letztere stürzten brüllend aus ihren Hütten. Rettung konnte es nur dann geben, wenn man die Brücke erreichte; aber schon nach wenigen Schritten fielen sie geblendet, versengt und gebrannt zu Boden. Nur einige erreichten die Stelle, an welcher sich die Brücke befunden hatte; das Feuer trieb sie hinab in die Tiefe des Cannons.

Das Wiehern und Bellen, das Heulen, Brüllen und Rufen wurde schwächer und schwächer und verstummte endlich ganz. Nur eine einzige Stimme war zu hören, diejenige der Flammen, ein tiefes, dumpfes Brausen wie von einem fernen, brandenden Meere.

Die Wipfel der Bäume waren verzehrt; nun ergriff das Feuer die Stämme und nagte sich tiefer und tiefer an ihnen nieder. Hellglühende Rauchschwaden wirbelten empor, um eine mächtige schwarze, schwer über der Brandstelle lagernde Wolke zu bilden, durch welche vereinzelte Funkenraketen zuckten. Diese Wolke schien die Flammen niederzudrücken, sie senkte sich mehr und mehr. Die Stämme brannten nicht mehr, sie glühten und kohlten nur noch.

Auch diese Gluth erlosch, nur hier und da sprühte es noch auf, dann wurde es Nacht, eine schreckliche Nacht des Todes, in dicken, erstickenden Rauch gehüllt.

Als am Morgen die Sonne die Stätte des Verderbens beschien, saß Schwarzauge noch immer an derselben Stelle. Sie hatte keine Thräne, keinen Seufzer, kein Schluchzen, kein Wort für ihren Schmerz.

Der heisere Schrei eines Aasgeiers weckte sie aus ihrer seelischen Erstarrung. Sie stand auf und wankte fort, durch die Quellenschlucht hinab, hinab, immer weiter, bis sie nach Stunden die Tiefe des Cannons erreichte, in welcher der Mormone mit seinen Opfern lag. - Dort saß sie den ganzen Tag und die darauffolgende Nacht bei den entstellten Ueberresten des Geliebten.

Am nächsten Tag erschien sie, der Schatten ihrer selbst, auf der Estanzia del Trigo. Monoton und scheinbar ohne innere Bewegung erzählte sie, was geschehen war. Man bot ihr Essen und Trinken an; sie schüttelte den Kopf. Sie wollte weder Speise noch Trank, sie wies auch jeden Trost von sich. Sie ging und niemand hat sie seitdem gesehen. Von diesem Tage an wird jene Felsenspalte Cannon de los Cotschisos, die Schlucht der Kotschisoapachen, und die sich über ihr erhebende Felsenmauer die Penna del Asesinato, der Mordfelsen, genannt.

  
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